Ketterer Walzenorchestrion
Neuerung im Schwarzwaldmuseum
Und wieder ein musikalischer / technischer Leckerbissen… Auch diesen Monat (September) können wir von einer Neuerung aus dem Bereich der mechanischen Musikinstrumente berichten. Seit Jahr und Tag beherbergt das Schwarzwaldmuseum ein Ketterer Walzenorchestrion. Seit wenigen Tagen erklingt dieses Instrument wieder per Münzeinwurf. Im Zuge dessen auch eifrig über die Firma Ludwig Ketterer recherchiert.
Die Firma Ludwig Ketterer (1840-1900) aus Vöhrenbach, wurde 1864 gegründet. Im Ort hieß er nur der „Nagelketterer“, weil er die besten Walzen bestiften konnte und dieser Beschäftigung von früh bis spät nachging. Es ist leider nur recht wenig über sein Leben in Erfahrung zu bringen, doch es wird gesagt er habe in Leipzig oder Dresden Musik studiert.
Es ist nachweisbar, dass er sinfonische Musik so arrangiert hat, dass man sie auf Walze für ein Orchestrion setzen konnte. Diese Tätigkeit wäre kaum ohne ein intensives Studium der Musik möglich gewesen. 1879 kaufte er im Zentrum Vöhrenbachs den Gasthof Ochsen der bis heute im Familienbesitz ist und begann selbständig Orchestrien zu bauen. Ein handgeschriebenes Arrangierbuch von 1864, sowie drei Kataloge, die sich aber zeitlich nicht eindeutig einordnen lassen, sind bis heute erhalten.
Im wahrscheinlich frühesten Katalog in Leporelloform ist ein Orchestrion mit der Bezeichnung:
No. 1. Flötenwerk. Enthält: 3 Register, worunter 2 Holzflöten und 1 Zinnflöten-Register und Triangel sind. Preis mit 3 Walzen 1200,- Mark.
Die angegebenen Dimensionen entsprechen ziemlich exakt unserem Modell. Allerdings ist in unserem Orchestrion noch eine kleine Trommel eingebaut.
Vermutlich war es so, dass die Katalogabbildungen mehr Beispielcharakter hatten und die bestellten Orchestrien auf Kundenwunsch in punkto Ausstattung, Größe sehr stark variierten. Auch ist bekannt, dass einige verschiedene Hersteller in ihren Katalogen die gleichen Abbildungen hatten. Dies mag daran liegen, dass die Drucker der Kataloge oder Hersteller der Druckstöcke sich mangels real existierender Vorbilder allgemeiner Vorlagen bedient haben. Vielleicht wurden die Gehäuse auch von einer spezialisierten Schreinerwerkstatt entwickelt und an die Orchestrienhersteller verkauft.
In jedem Fall klingt dieses Instrument sehr gut und spielt für einen Euro drei Titel mit insgesamt 4 1/2 Minuten Länge.
Immer wieder faszinierend: Denken Sie mal an die großen, weltweit bekannten Herstellernamen der heutigen Unterhaltungselektronikindustrie – früher waren dies wesentlich die Namen der Schwarzwälder Orchestrienbauer!
| Schwarzwaldmuseum Triberg * Wallfahrtstraße 4 * 78098 Triberg |